welschenrohr / vue des alpes

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Armin
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welschenrohr / vue des alpes

Beitrag von Armin » Mo 10.Sep.2007 16:46

hallo zusammen

ich wollte es nicht unterlassen haben, folgende infos weiterzugeben.
thom (alpiner new-comer mit nerven aus stahl) und ich (plaisir-oldtimer mit nerven aus 5 mm-reepschnur) wollten mal im jura "etwas mit alpinem charakter" klettern.
ok - viel hats da nicht im mehrseillängenbereich mit "alpinem" charakter. wir landeten in welschenrohr, mehrseillängen-routen, etwas älteres, längeres, leicht alpines: z.B. die "vue des alpes", 5 SL, 140m, 6c, 6b, 5c+, 6c, 6b, (6b obl.), klingt doch noch recht ordentlich und machbar, 6c kennen wir doch irgendwie vom klettergarten her - geht scho.

so weit so gut:
thom steigt ein. der typ hat nerven zum abwinken - mentale stärke von 3 seebären zusammen und eine ruhe und konzentration - einfach unglaublich.
zum auftakt eine ausgewachsene 50m länge im bereich 6c mit 4 zwischensicherungen und einem stand, an welchem die vertreter der plaisir-zunft nicht mal den magnesiabeutel aufhängen würden - der sac würde solche standkonstruktionen umgehend beschlagnahmen, mit gelbem trassierband als sperrzone einrichten und in einem stand-museum unter der rubrik "so wars vor 20 jahren" für alle zeit lagern.
2 rostige normalhaken, verbunden mit einer kreativen anordnung von nicht mehr erkennbaren bandschlingen, verwittert, verbröselt wie ein expeditionszelt, welches man 100 jahre auf dem everst hat in der sonne schmoren lassen. thom stieg vor, kein ton, kein murren, immer weiter.
ich bin ja auch nicht gerade von gestern aber NIE im leben hätte ich diese 1. länge vorgestiegen. ich schiss allein schon im nachstieg fast in die hose.
es ging dann mit etwas reduzierter schwierigkeit und ähnlicher absicherung in die 2. länge.
in der 3. länge (eine brösel 5c+ durch eine bruchzone) fand man die ungefähr 2 abnormal-haken nur durch zufall hinter grasbüscheln oder sonstigem geschüppe. trotz aller vorsicht im nachstieg erwischte ich eine schuppe in der grösse einer haifisch-flosse, riss sie in die tiefe - für eine nachsteigende seilschaft wäre dies vermutlich der sichere tod gewesen.
der stand vor der 4 SL (die schlüsselseillänge 6c) überzeugte wiederum mit einer konstruktion, wo man besser nicht reinhängt, geschweige den reinstürzt. wir haben den stand kurzerhand 10 m tieferverlegt auf ein grasband, von welchem man aber (in der rückblende betrachtet) auch nicht genau wusste, ob es als gesamtwerk einem abgang in die tiefe (mittlerweile 90m weiter unten) machen würde.
thom ist dann diese sagenhafte 4. SL vorgestiegen. eine fast senkrechte platte, welche eine technik zwischen plattenkletterei (für die füsse) und loch-/löchlein und leistchenkletterei (für die fingerchen) erfordert, wobei in dieser 4. SL für den vorsteiger die hauptschwierigkeit darin besteht, jeweilse 3 - 4 m über dem letzten bolt (20- jährig / marke eigenfabrikat / vermutlich durchgerostet) in der einen hand ein abschüssiges etwas, mit der anderen hand hinter einem noch auszureissenden grasbüschel per zufall einen rostigen normalhaken findend das eigene ego zu überwinden und einfach nicht zu fallen, denn der untere stand....... siehe bereibung oben.
thom hats geschafft. er ist am nächsten stand, am stand der 4. SL. kommt uns das irgendwie bekannt vor? rostige normalhaken, schlingen welche nur noch der schatten ihrer-selbst sind - uuuuuuiiiii, lieber nicht berühren. MANNNNN - habe ich nun schon in die hose geschissen oder was fühle ich überhaupt hier????. wo bin ich hier???? warum tue ich das???? wo ist die nächste kaffeemaschine - einen liter her - sofort!!!!
die letzte SL (6b), kaum möglich, denn in der 6c gabs kaum stürze, dafür nun in der hohlen 6b - irgendwas stimmt da nicht.
auf alle fälle waren wir froh, oben zu sein.
toll, das war also "etwas alpines" im jura.

thom und ich haben uns gefragt, ob diese route in den letzten 15 jahren überhaupt jemals beklettert wurde.

aspiranten/aspirantinnen für diese tour sei folgendes empfohlen:
ihr könnt 1000 keile und friends mitnehmen, wer zuwenig nerven dabei hat, wird in dieser route klanglos untergehen - denn auch der rückzug wird problematisch, da die offizielle abseilpiste ca. 30m links davon verläuft. entweder man steigt bis oben aus oder sieht sich unweigerlich mit einer abseilfahrt an haarsträubendsten einrichtungen konfrontiert.

alles in allem eine anspruchsvolle route aus älterer zeit, wo man noch hosen anhatte und weit - weit über die haken stieg - am anderen ende der plaisirskala. stürzen verboten.

ich glaub, ich geh wieder bouldern.

shalom
armin

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Beitrag von domi » Di 11.Sep.2007 00:20

sali armindo
schön, wieder mal was von dir zu hören! na, ist dein alter entdecker und abenteuergeist wieder erwacht?! tolle story, kommt mir aber irgendwie bekannt vor, beni kauffungen hat glaubs auch mal ne route dort geklettert... sein schielderungen tönten ähnlich - kannst dich ja mal mit ihm austauschen und ne selbsthilfegrupppe gründen...

bis bald mal
gruss domi

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Roland
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Beitrag von Roland » Di 11.Sep.2007 10:30

Ich schlage vor, Armin für den Literatur-Nobelpreis zu nominieren! Und für diese herausragende alpine Leistung gerade auch noch für den Piolet d'or!

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Beitrag von Armin » Di 11.Sep.2007 11:22

halt stopp

literaturpreis ok.
aber die herausragende alpine leistung gilt einzig und allein dem unerschütterlichen vorsteiger thomas von arx.
ich konnte als sichernder nachsteiger lediglich den schatten des abenteuergeistes erahnen und sehr viel von thom in sachen sicherungstechnik, standplatzbau und menthaltechnik lernen und profitieren. ich hatte das zeug nicht, um in dieser route irgendwas vorzusteigen.

noch ein kleiner hinweis:
die "vue des alpes" befindet sich nicht in der wand mit dem wappen sondern am rechts vorgelagerten ca. doppelt so hohen pfeiler.

gruss
armin

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Beitrag von ben » Mi 12.Sep.2007 00:58

Nun Armin, da hat du uns ja wieder mal eine schöne Geschicht erzählt, die ich dir auch voll und ganz glauben kann. Denn wie gesagt wurde, habe ich mich auch schon an die super Wand gewagt. Ich muss schon sagen, sie sieht sehr imposant aus vom Parkplatz, und ist sie auch zum klettern. Hammer
In Sachen Zustiege bin ich mir ja einiges gewohnt. Aber diese Sch....sse bis ganz nach zu den Einstiegen oben hat mir schon fast den Rest gegeben. Diese Automotoren grossen Kieselsteinchen die da so rumliegen, seien nur am Rande erwähnt.
Soweit so gut. Wo ist denn nun der Einstieg ? Ja ich glaube hier könnte er sein; steigen wir mal ein. Wow, super neu sanierte, rostfreie Boris ! Da kann ma ja mal über einen Abstand hinwesehen und etwas über den Bolt klettern. Obwohl mich die Bewertung, die Art der Kletterei und die Abstände der Zwischensicherungen eher an die Wenden erinnerten. Aber wie gesagt, muss ja nicht alles überbohrt sein. Dann kommst du an den ersten Stand: ich habe immer gemeint ich brauche Zwei Bolts zum sichern? Ja, der eine den ich gefunden habe ist auch ein ganz ein neuer, aber wo ist der zweite??
nach langem suchen finde ich einen. Aber wie schaut der denn aus!!
Solch verrostetes Alteisen finde ich sonst nur auf dem Entsorgunsplatz in unserem Dorf!
Ich weiss nicht wie ihr das seht, aber wenn ich etwas saniere, dann gehören für mich die Stände dazu.

MFG Beni

Armin
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Beitrag von Armin » Fr 14.Sep.2007 16:40

hallo beni

ich fürchte, du bist in der "aqua" 7b (6c obl.) am rechts vorgelagerten pfeiler gelandet. denn in der route "vue des alpes" ca. 30 m rechts davon ist an keinem der stände ein bolt. oben an der hauptwand (wappen) kann ichs nicht beurteilen, dort war ich noch nie drin.

vielleicht sollte man mal den erstbegeher oder einrichter fragen, ob man die vermutlich durchgerosteten alten m8-bolts (die plättchen sahen noch i.o. aus, aber was ist mit der schraubenmutter) ersetzen könnte und an den ständen zumindest 1 bolt setzen könnte.

bei der "aqua" fiel so vom hinaufschauen her auf, dass zumindest in der 1. länge (7b) ziemlich viele bolts drin sind. aber eben, beim klettern siehts dann anders aus, wenn man in einer 7b plötzlich 3 meter über dem bolt rumüben muss. ok - dann wäre für mich so oder so endstation.

in jedem fall gilt: hut ab den erstbegehern, denn ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die "vue des alpes" von unten erstbegangen wurde, zumindest die SL 1 - 3.

vielleicht mal in welschenrohr. die wände habens trotz meiner ersten einschüchternden erfahrung jedenfalls in sich.

gruss
armin

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